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„Ich habe kein schlechtes Gewissen“ – Interview mit Deutschlandradio Kultur

Dieter Kassel von Deutschlandradio Kultur hat mich zu unserer Eizellspende interviewt: Das Interview könnt Ihr Euch hier anhören…

(Bild von Deutschlandradio Kultur.)

 

Alternativ könnt Ihr hier das gesprochene Wort nachlesen (gesprochen klingt es eindeutig besser):

Alexandra hat sich in Tschechien befruchtete Eizellen einer anonymen Spenderin einsetzen lassen und ist jetzt Mutter von Zwillingen. In unserem Interview berichtet sich von ihren Erfahrungen mit einer Praxis, die in Deutschland nach wie vor verboten ist.

Dieter Kassel: Die Frau, mit der wir jetzt sprechen wollen, hat schon vor einigen Jahren feststellen müssen, dass ihr Partner und sie ohne medizinische Hilfe keine Kinder bekommen können. Und sie hat dann diese Hilfe in Anspruch genommen, sie hat drei Jahre lang intensiv das versucht, was in Deutschland rechtlich möglich ist, aber es ist ihr nicht gelungen, trotz zahlreicher Versuche nicht gelungen, mithilfe der künstlichen Befruchtung schwanger zu werden. Dann reiste diese Frau nach Tschechien und dort hat sie etwas getan, was dort völlig legal ist, in einigen anderen Ländern auch, was in Deutschland aber nicht erlaubt ist: Sie hat sich dort befruchtete Eizellen einer anonymen Spenderin einsetzen lassen und das hat geklappt.

Heute ist sie die Mutter von zwei Kindern, von Zwillingen, die sie dann bekommen hat. Wir wollen mit ihr darüber reden, sie ist auch bereit, mit uns zu reden, aber sie möchte anonym bleiben, und deshalb nennen wir sie heute Morgen ihrem Wunsch entsprechend Alexandra. Schönen guten Morgen, Alexandra!

Alexandra: Wunderschönen guten Morgen, Herr Kassel!

Kassel: Wie geht es denn Ihren Kindern und Ihnen inzwischen?

Alexandra: Ach, wunderbar. Also, uns ging es eigentlich nie schlecht. Ich denke mal, dass wir das Familienalltagschaos haben, was jede Zwillingsmama kennt. Ja, wunderbar von daher!

Tagebuch des „Kinderwunschweges“ im Internet

Kassel: Man kann ja vieles, was Ihre Geschichte angeht … Ich habe das sehr, sehr kurz gerade zusammengefasst, man kann das sehr ausführlicher nachlesen, wenn man möchte, und auch Ihre aktuellen Erlebnisse, viele davon im Internet. Sie betreiben einen Blog unter der Adresse pippilottta.de. Warum tun Sie das, warum halten Sie es für richtig, nicht alles, aber doch vieles von dieser Geschichte in die Öffentlichkeit zu tragen?

Alexandra: Also, der Ursprungsgedanke des Blogs war gar nicht, dass ich das in die Öffentlichkeit tragen möchte, sondern es ging mir damals darum … Wir standen ganz zu Beginn der Eizellspende, wo wir auch überlegt haben, machen wir eine anonyme Eizellspende oder eine nicht anonyme Eizellspende, und da wir diese Entscheidung noch nicht getroffen hatten – das ist ja nun auch nichts, was man von heute auf morgen trifft –, wollte ich unseren Weg festhalten. Ich wollte, dass unsere Kinder später irgendwas haben zum Greifen, zum Nachlesen, dass sie sehen können, dass sie Wunschkinder waren, dass sie auch nicht aus dem Katalog ausgesucht wurden, wie sich das viele vorstellen. Also, im Endeffekt war es eigentlich das Tagebuch unseres Kinderwunschweges, ab der Eizellspende beziehungsweise ab dem ersten Gedanken der Eizellspende.

Kassel: Wie war das eigentlich bei diesem ersten Gedanken? Sie haben natürlich gewusst, dass das eine Methode ist, die in mehreren Ländern erlaubt ist – nicht nur in Tschechien, wo Sie es gemacht haben –, aber in Deutschland eben ausdrücklich verboten. Hat Sie das irgendwie beeinflusst, haben Sie irgendwie darüber nachgedacht, ob die, die sagen, ich verbiete das, nicht doch irgendwie recht haben?

Alexandra: Bedingt. Also, ich habe ganz viel gelesen, ich habe ganz viel recherchiert. Es gab leider nicht wirklich viel, das heißt, es war wirklich harte Arbeit, sich das alles herauszuarbeiten. Zu dem Zeitpunkt, wo wir darüber nachgedacht haben, fing gleichzeitig in Bayern, meine ich, oder in Süddeutschland zumindest ein Netzwerk an, das legal zu machen beziehungsweise so eine Grauzone dieses Embryonenschutzgesetzes auszunutzen. Dort dürfen ja mittlerweile auch Eizellen, die schon befruchtet wurden von Paaren, die sie jetzt über haben, die dürfen mittlerweile dort auch gespendet werden. Das heißt, die ersten Ansätze wurden ja gemacht. Und mich hat das aber nicht beeinflusst. Also, natürlich hätte ich es lieber in Deutschland gemacht, ich weiß auch, in Österreich ist es mittlerweile, ich meine, seit 2016 erlaubt.

„Kein schlechtes Gewissen“

Kassel: Mhm.

Alexandra: Es gibt ja auch die Samenspende. Also, für mich ist das nicht so ein Riesenunterschied. Und daher hatte ich auch keine Bedenken oder kein schlechtes Gewissen.

Kassel: Das heißt, andersherum empfinden Sie wahrscheinlich das Gesetz, das das in Deutschland verbietet, eher als so eine Art Anti-Frauen-, Anti-Mütter-Gesetz. Also, Sie würden sich vermutlich doch wünschen, dass man das auch bei uns komplett legalisieren würde, oder?

Alexandra: Ja, wobei ich jetzt nicht Anti-Frauen- oder Anti-Mütter-Gesetz sagen würde, ich würde einfach sagen, es ist veraltet, es ist verstaubt. Es wurde verfasst, in eine Schublade gelegt und keiner hat es wieder angepackt. Ich denke, das ist einfach veraltet. Wenn es jetzt überarbeitet werden würde, dann würden bestimmt einige Aspekte auch dafür sprechen, dass man die Eizellspende legalisieren würde auch in Deutschland. Natürlich unter bestimmten Voraussetzungen, das ist klar. Ja, ich denke halt, dass da ganz viele Parallelen auch zur Samenspende zu sehen sind.

Kassel: Gegner der Eizellespende, gerade der anonymen, so wie Sie das ja gemacht haben in Tschechien, die argumentieren ja gerne damit, dass Kinder dann nie in ihrem Leben herausfinden können, wer denn ihre leibliche Mutter war oder woher sie gekommen sind, woher diese Eizelle gekommen ist. Kinder, die zum Beispiel durch Samenspenden entstanden sind oder andere Methoden, oder Adoptivkinder, können das nicht nur, sondern sie haben sogar das Recht dazu. Was halten Sie denn von diesem Argument?

Alexandra: Ja, also, ich bin ganz stark dafür, dass Kinder aufgeklärt werden, und eigentlich auch, dass sie die Möglichkeit haben, nicht die leiblichen Eltern – weil, ich sehe mich als leibliche Mutter –, sondern die genetische Mutter kennenzulernen. Bei der Samenspende war es, soweit ich weiß, damals auch so, dass es anonym möglich war und dass das im Laufe der Jahre jetzt sozusagen gekippt wurde. Und alle, die halt auch damals anonym gespendet haben, die Männer, können sich dahinter nicht verstecken, sondern es ist eben ein Recht, dass man eben das Recht hat zu wissen, wo die Wurzeln sind. Und das würde ich mir eigentlich für die Eizellspende auch wünschen. Und ich habe so ein bisschen die Hoffnung, dass es vielleicht in Tschechien in zehn, 20 Jahren auch Recht ist.

„Die Kinder haben ein Anrecht, später aufgeklärt zu werden“

Kassel: Das heißt, wenn Ihre Kinder – in welchem Alter auch immer, sie sind ja noch sehr klein jetzt –, aber wenn die irgendwann ankämen als Jugendliche, als junge Erwachsene und zu Ihnen sagen würden, eigentlich wüsste ich gerne, wer die Frau ist, von der du diese Eizellen bekommen hast, dann würden Sie das … ob es möglich ist, wird man dann sehen, aber prinzipiell unterstützen, diesen Wunsch?

Alexandra: Natürlich. Wir wollen auch die Kinder aufklären, das war auch ein bisschen der Hintergedanke dieses Blogs. Ich finde es einfach ganz, ganz wichtig, ich finde, die Kinder haben ein Anrecht definitiv darauf. Ich werde auch mit meinem Mann … Im Rahmen der Aufklärung werden wir diese … Wir nennen sie immer Lucy, unsere Spenderin, weil Lucy, dieser Name hat in Tschechien für uns irgendwie auch eine Bedeutung gewonnen. Wir werden auch versuchen, den Kindern das zu erklären, dass es eben eine ganz, ganz nette Frau gab, die uns geholfen hat. Und wenn die das möchten, fahren wir auch mit denen nach Prag und wir zeigen denen die Klinik und wir suchen meinetwegen auch mit denen, selbst wenn wir wissen, es geht nicht. Aber ich würde sie da unterstützen, natürlich.

Kassel: Haben Sie … Ganz ehrlich, Alexandra, haben Sie vor dem Moment, wo Sie Ihren Kindern das erzählen … Also, wir reden jetzt nicht über die Frage, wollen die herausfinden, wer es ist, wir reden nur darüber, Sie klären sie darüber auf, wie sie entstanden sind. Haben Sie vor dem Moment auch ein bisschen Angst? Weil, es kann ja sein, das kann man nicht ausschließen, dass die Ihnen erst mal böse sind, dass die das alles nicht verstehen.

Kinderbücher über Eizellspende

Alexandra: Ja. Also, ich glaube, wenn es wirklich einen Zeitpunkt gibt, wo manche Frauen ihre Kinder aufklären oder auf Väter, dann, kann ich mir vorstellen, kann man Bedenken. Ich denke aber, dass unsere damit aufwachsen werden, also, dass wir von Anfang an, wenn es darum geht, wie macht man Kinder, nicht nur sagen, es gibt Mama und Papa, und wenn die sich liebhaben, dann entsteht ein Kind, sondern … Ich weiß noch nicht, wie wir es machen, aber wir werden jede Frage, die gestellt wird, kindgerecht beantworten und im Hintergrund darauf immer sagen, dass es eben auch andere Möglichkeiten gibt. Wir haben Kinderbücher, ob sie jetzt aus England sind, kann ich nicht sagen, sind auf Englisch auf jeden Fall, über die Eizellspende, und die werden wir lesen, wir werden Kinderbücher zur Adoption oder in Bezug auf Adoptivkinder lesen, einfach dass sie von vornherein wissen: Es gibt ganz, ganz viele Wege und nicht nur diesen einen. Und ich glaube, dann kommt dieser Überraschungseffekt auch gar nicht, sondern dann wachsen die eben damit auf und dann werden sie verstehen, was wir immer erzählt haben.

Kassel: Das ist interessant, die Hoffnung teile ich jetzt regelrecht mit Ihnen, das ist an sich ein relativ logischer Weg, auf den ich erst mal – typisch Mann vermutlich – nicht gekommen wäre. Aber das klingt mir eigentlich relativ einsichtig. Alexandra, ich danke Ihnen für Ihre Zeit und auch überhaupt für die Bereitschaft, so offen mit uns zu reden, und wünsche Ihnen, dass das mit der beschriebenen Methode und überhaupt alles klappt, und dass Sie vor allen Dingen mit Ihrem Partner und Ihren beiden Kindern noch ganz viel Spaß haben in den nächsten Jahren und Jahrzehnten!

Alexandra: Vielen herzlichen Dank, ich bedanke mich auch!

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Ein Interview mit Katharina

Katharina (37) erfuhr vor 4 Jahren, dass sie schon lange in den Wechseljahren ist und dennoch wollte sie nichts sehnlicher als ein zweites Baby haben.

 

Mögt Ihr uns von Eurem Kinderwunschweg VOR der Spende erzählen? Und wieso habt Ihr Euch dazu entschieden eine Eizellspende in Anspruch zu nehmen?

Meinem Freund war es egal, wir hatten schon einen Sohn, der zufällig entstanden war, aber da mein Wunsch nach einem 2. Kind immer größer war, unterstützte er mich glücklicherweise. Zunächst wuchs der Wunsch langsam an, nach 2 Jahren dann wollte mein Freund auch ein 2. Kind haben, aber es klappte einfach nicht. Ich steigerte mich immer mehr rein – Ovulationstests, Sex zur fruchtbaren Zeit usw. – als es immernoch nicht geklappt hatte, ging ich zu den Ärzten. Mein Freund (so wie viele Männer) war sich sowas von sicher, dass er nicht schuld ist, dass er freiwillig eine Spende abgab. Tja, er hatte Recht, seine Schwimmer waren in top Form. Im Sommer 2012 erfuhr ich dann, dass mein AMH bei 0,14 lag – ein paar Wochen später nur noch bei 0,1. Mir war klar, was dies zu bedeuten hatte. Da ich zufälligerweise schon von der Eizellspende gehört hatte, erforschte ich nun diesen Weg.

 

Für viele ist es erst einmal ein Schock, den es zu verdauen gilt, wenn man gesagt bekommt, dass man sozusagen austherapiert ist. Fiel Euch die Entscheidung für eine Eizellspende schwer? Welche Gedanken gingen Euch dabei durch den Kopf?

Mein Freund hat, so viel ich weiß, nicht nachgedacht. Aber ich umso mehr. Meine Schwiegermutter war da ne super Hilfe, sie sagte „ich nehme alle Babys gern, außerdem kommen meine Vorfahren aus Tschechien, also passt das“. Meine Gedanken waren recht simpel. Werde ich das Baby lieben können, wird es mein Kind, wie gehen die anderen damit um usw. Da ich zu der Zeit arbeitslos war, hatte ich viel Zeit mich in Foren zu erkundigen.

 

Eine Spende ist keine Sache, für die man sich mal eben entscheidet. Wie lange hat der Entscheidungsprozess gedauert? Wer hat Euch in dieser Phase geholfen, hat Euch zugehört und Euch den Rücken gestärkt?

Da müsste ich ein wenig weiter ausholen. Durch eine sehr gute Freundin von mir, hatte ich bereits VOR meinen Problemen erfahren, dass es Eizellspende gibt. Ihre Schwester war Vorreiterin, ging damit offen um, tingelte von Talkshow zu Talkshow um die Eizellspende in Deutschland legalisieren zu lassen – bisher leider ohne Erfolg. Aber ohne diese Frau hätte ich nie (oder nicht so schnell) erfahren, was es für Lösungen gibt. Zu dem Zeitpunkt dachte ich mir nur „gut, dass ich das Problem nicht habe“.

Als bei mir dann klar war, dass ich keine nutzbaren Eier habe, fragte ich die Schwester meiner Freundin natürlich aus um mehr zu erfahren. Über Foren forschte ich dann wo es am Besten wäre und stieß so auf Prag. Meine Freundin unterstützte mich und beschützte mich vor anderen Leuten, die sagten „du hast doch schon eins, das reicht doch“ oder „wenn es nicht kommen will, dann soll es so sein“ usw.

Aber auch meiner Mutter erzählte ich was ich vorhabe und auch sie unterstützte mich seelisch. Am Anfang war sie jedoch sehr skeptisch, da ja immerhin 0% von ihrer Familie in dem geplanten Baby sein werden. Dies verflog später jedoch.

 

Habt Ihr (parallel) über eine Adoption oder ein Pflegekind nachgedacht?

Adoption fiel aus, da wir nicht verheiratet sind. Jedoch dachte ich tatsächlich über eine Langzeitpflege nach. Das war sogar noch vor den künstlichen Befruchtungen. Ich hatte sogar schon einen Termin bekommen für einen Infoabend. Da ich aber einen Babysitter brauchte, musste ich den erst organisieren. Als ich dann den Termin bestätigen wollte, sagte man mir, dass der Infoabend überbucht sei und ich somit nicht kommen könnte. Anfänglich war ich sauer darüber und dachte mir meinen Teil. Dann jedoch sagte ich zu mir „dann soll es so sein“ und nahm von da an die künstliche Befruchtung in Angriff.

 

Wie seid Ihr bei der Wahl Eurer Klinik vorgegangen? Welche Kriterien waren Euch besonders wichtig, welche wären schön gewesen, wenn die Klinik sie erfüllt hätte?

Ich las in Foren. Mir war wichtig, dass wir nur 1x hin müssen, weil es doch recht schwierig ist dies zu organisieren. Bewertungen waren mir wichtig. Am Ende hatte ich 2 Kliniken im Auge. Bei der einen Klinik war es einfacher an einen Termin zu kommen und alles in einen Rutsch zu erledigen. Tja, leider war die Kommunikation mit der ersten Klinik am Ende doch nicht so prickelnd. Klar hatten die auch Paare schwanger gemacht, aber eine gute Kommunikation ist mir sehr wichtig. Meine zweite Klinik hingegen erfüllte alle Wünsche, man musste aber dafür 2x hin – aber das störte mich nicht, denn ich wollte schwanger werden und versuchte daher alles..

 

In welchem Land hattet Ihr eine Spende und warum dort?

In Tschechien in Prag.

 

Nur in wenigen Ländern ist eine offene Spende möglich. Sofern Ihr eine anonyme Spende hattet, hattet Ihr im Vorfeld große moralische Bedenken und wie fühlt es sich nun nach der Entbindung an? Sind eventuelle Bedenken weiterhin vorhanden?

Naja, es ist sehr schade, dass meine Tochter womöglich nie ihre genetische Mutter und die damit verbundenen Geschwister kennen lernen wird, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Klinik eines Tages mit der Spenderin ein Treffen arrangiert.

Meine Bedenken sind da, werden immer wieder kommen. Denn wie erklärt man einem Kind, dass es adoptiert / gespendet / künstlich hergestellt ist? Es ist schwer, aber ich denke, dass ich mit meiner Offenheit es schaffen werde meiner Tochter zu erklären, dass sie extra für mich erschaffen wurde. Aber leid tut sie mir dennoch, denn irgendwie möchte ja jeder erfahren wo seine Wurzeln her kommen.

 

Viele haben ein Problem mit einer Eizellspende, da sie dann ihre eigenen Gene nicht weitergeben. Wie habt Ihr vor der Spende darüber gedacht und denken Du und / oder Dein Partner jetzt noch immer manchmal darüber nach?

Da hatte ich keine Probleme mit. Eigentlich war es für mich recht einfach, ich sah es gelassen und sagte: „Supi, dann kann das Kind all meine Krankheiten schon mal nicht erben.“.

 

Hat die Frage nach der Entstehung irgendwann überhaupt noch eine Relevanz? Wenn man zum Beispiel später mit den pubertierenden Kindern herumstreitet, denkt man dann so idiotische Dinge wie „das müssen die Gene sein!“?

Antwort: Meine Tochter ist zwar erst 2 Jahre alt, aber der Satz fiel mir schon öfters ein. Aber eher im positiven Sinne. Denn meine Tochter ist sehr lieb und hilfsbereit und dann sage / denke ich immer, dass sie das von ihrer Mutter haben muss. 🙂

 

War es schwierig für Dich, einen Arzt zu finden, der Euch bei Eurem Vorhaben unterstützt? Oder hast Du es gar nicht erzählt, sondern eine ICSI mit eigenen Eizellen als Vorwand für die Untersuchungen genommen?

Offiziell darf man ja nichts erzählen, also erzählte man Lügen, damit man einen Arzt findet. Das Problem war recht schnell erledigt, denn unter der „Ladentheke“ kann man ja offen sprechen und so lang die Untersuchungen im Rahmen sind, ist das alles auch kein Problem. Natürlich habe ich den Ärzten erst danach erzählt was Sache ist und da ich mehrere aufgesucht hatte, wechselte ich immer hin und her, sodass die Untersuchungsflut nicht auffiel.

 

Spenderinnen werden in der Regel nach äußerlichen Merkmalen wie z. B. Größe, Haar- und Augenfarbe von den Kliniken ausgesucht, um zu den zukünftigen Eltern optisch zu passen.  Wie wichtig war Euch das oder gab es ein anderes Merkmal, dass Ihr Euch in Bezug auf die Spenderin „gewünscht“ habt?

Ich wollte keine dumme Frau haben, die optisch zu mir passt, damit das Kind sich später nicht wie ein Außenseiter fühlt. Wichtig war mir das alles nicht, aber da ich ja Wünsche angeben sollte, fand ich es umso besser als alle erfüllt wurden.

 

Habt Ihr einen Spenderinnenvorschlag abgelehnt, da Ihr ein ungutes Gefühl hattet und „es einfach nicht gepasst“ hat? Wenn ja, warum? Was hat Euch gestört?

Nein.

 

Habt Ihr Euch schon entschieden, ob Ihr Euer Kind / Eure Kinder über Ihre ganz besondere Entstehungsgeschichte aufklären?

Ich war früher TV-Junkie und habe so viele Geschichten (ob erfunden oder nicht) über adoptierte Kinder gesehen, dass mir von vorn herein klar war, dass ich mein Kind so schnell wie möglich aufklären möchte. Tja, meine Tochter ist nun 2 und bisher ist keine Aufklärung in Sicht. Aber für den Fall der Fälle hab ich schon mal ein Buch (noch während der Schwangerschaft) gekauft. „The very special Ducklings“ sehr niedlich geschrieben, recht einfach erklärt – ist zwar auf Englisch, aber das macht nichts.

 

Falls ja: Wisst Ihr schon, wie genau Ihr dabei vorgehen wollt?

Ich warte ab, bis sie sprechen kann. Dann werde ich langsam mit der Aufklärung anfangen. Ich vermute, dass dies bis zur Pubertät andauern wird. Denn wenn sie 5 ist, weiß sie zwar alles darüber, aber verstehen tut sie es da sicher noch nicht. Aber wie genau ich sie darauf anspreche, ihr es erkläre, wird der Moment dann zeigen.

 

Wen habt Ihr im Vorfeld über die Eizellspende eingeweiht (Freunde, Familie, Bekannte, Kollegen, Internetbekannte?)? Würdet Ihr wieder so entscheiden? Wie war die Reaktion von denen, die Ihr eingeweiht habt? Falls es negative Kommentare gab, wie habt Ihr darauf reagiert?

Ich bin recht offen mit meinem Vorhaben umgegangen. Manche verstanden mich, andere nicht, andere enthielten sich, da sie keine Meinung dazu hatten. Nicht alle wissen Bescheid und das macht es dann schwerer für mich, da man sich irgendwann nicht mehr erinnert wem man was erzählt hat. Aber ja, die Offenheit würde ich immer bevorzugen. Nur Kollegen gegenüber sollte man sich bedeckt halten. Natürlich gab es auch Bekannte, die ihren Senf dazu beitragen wollten, jedoch lernte ich schnell, dass Schweigen manchmal das Beste in solchen Situationen ist.

Im Übrigen hatte ich meinen Anwalt vorher gefragt was mir passieren würde, wenn mich einer deswegen anzeigt. Er überlegte und sagte, dass man mir im schlimmsten Fall eine Geldstrafe geben würde, aber ich müsste keine Angst haben, da ich keinem schaden würde, würde man eher die Anklage fallen lassen.

 

Kommentiert das Umfeld oft (nicht) vorhandene Ähnlichkeit? Wie fühlt es sich für Euch an und wie geht Ihr damit um? 

Oh ja, das kam schon des Öfteren vor. Als ich meine Eltern besucht hatte, sagte eine Besucherin zu meiner Mutter, dass meine Tochter meinem Vater sehr ähneln würde. Meine Mutter und ich grinsten uns nur an und lachten später. Ich finde das nicht schlimm.

Lustiger Weise schaue ich mein Kind öfters an und entdecke Ähnlichkeiten/Gemeinsamkeiten mit mir und staune immer wieder darüber.

Im Endeffekt glaube ich einfach, dass die Klinik super Arbeit geleistet hat, denn die hatten sich vorher Bilder von uns angeschaut und Aufgrund dessen eine Spenderin ausgesucht. Hut ab für diese tolle Leistung.

 

Habt Ihr noch einen besonderen Rat oder Geheimtipp an die Paare, die eine Eizell- oder Embryospende noch vor sich haben?

Traut euch, das Kind wird euern Alltag bereichern. Auch wenn es nicht gleich beim 1. Mal klappt, gebt nicht auf, kämpft weiter. Mit der richtigen Klinik in der Hinterhand ist dies kein Problem. Wenn ich könnte würde ich jedes unglückliche Paar in meine Klinik schicken. Es wird fast jeder glücklich raus kommen. Das Geld lohnt sich allemal und könnte ich, würde ich meiner Spenderin jeden Monat Geld zum Dank schenken. Diese Spenderin hat mein Leben vollkommen gemacht. Wenn ihr könnt und wollt, bringt eure eigene Spenderin mit.

 

Vielen Dank Katharina für dieses Interview!

Seid auch Ihr Eltern Dank Eizell- oder Embryospende? Dann meldet Euch gerne bei mir, gerne würde ich auch Euch interviewen.

Herzliche Grüße
Pippilottta

Ein Interview mit Antonia und Danijel

Antonia (35) und Danijel (38) versuchten vier Jahre lang auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Nach etlichen Ovulations- und Fruchtbarkeitstest sowie zwei IVF-Behandlungen in Deutschland, entschieden sie sich für den Weg der Eizellspende in Tschechien. Am 11.11.2015 kam ihr Sohn Luka Antonio zur Welt. Die Zeit verging wie im Flug und er feierte dieses Jahr schon seinen 1. Geburtstag.

 

Mögt Ihr uns von Eurem Kinderwunschweg VOR der Spende erzählen? Und wieso habt Ihr Euch dazu entschieden eine Eizellspende in Anspruch zu nehmen?

Wir haben vier lange Jahre versucht auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Als da nix gefruchtet hat, sind wir den weg der Kinderwunschbehandlung in Deutschland gegangen. Nach zwei erfolglosen IVF-Behandlungen: 1. Behandlung keine Eizelle punktiert, 2. Behandlung eine, aber sie wollte sich nicht festbeißen. Gesundheitlich war allerdings bei beiden alles ok. Dann entschieden wir uns für den weg der Eizellspende in Prag. Zwei Wochen später war ich schwanger. In der Schwangerschaft stellte man dann fest, dass ich am Marfan-Syndrom leide, es ist keine ernsthafte Erkrankung. Das Marfan-Syndrom ist eine Art Bindegewebskrankheit, bei der das Muskelgewebe sehr betroffen ist. Und diese Patienten können sehr schwer auf natürlichem Wege schwanger werden.

 

Für viele ist es erst einmal ein Schock, den es zu verdauen gilt, wenn man gesagt bekommt, dass man sozusagen austherapiert ist. Fiel Euch die Entscheidung für eine Eizellspende schwer? Welche Gedanken gingen Euch dabei durch den Kopf?

Nein absolut nicht, es fiel uns überhaupt nicht schwer, ganz im Gegenteil, wir waren sogar sehr dankbar, dass es diese Frauen gibt, die anderen Paaren ihren Traum vom eigenen Kind ermöglichen. Klar gingen mir Gedanken durch den Kopf wie wem wird es wohl ähnlich sehen, aber im Endeffekt dachte ich mir, die Frau hat uns geholfen, aber letztendlich ist und bleibt es mein Kind.

 

Eine Spende ist keine Sache, für die man sich mal eben entscheidet. Wie lange hat der Entscheidungsprozess gedauert? Wer hat Euch in dieser Phase geholfen, hat Euch zugehört und Euch den Rücken gestärkt?

Nicht lange, wir waren uns eigentlich ziemlich schnell einig. In dieser Phase waren meine Frauenärztin und meine Eltern immer für uns da.

 

Habt Ihr (parallel) über eine Adoption oder ein Pflegekind nachgedacht?

Ja.

 

Wie seid Ihr bei der Wahl Eurer Klinik vorgegangen? Welche Kriterien waren Euch besonders wichtig, welche wären schön gewesen, wenn die Klinik sie erfüllt hätte?

Eigentlich war für uns schnell klar, dass es unsere Klinik wird, da von dieser Klinik am schnellsten Antwort kam und wir uns auch beim Erst-Gespräch sehr wohl gefühlt haben.

 

In welchem Land hattet Ihr eine Spende und warum dort?

Tschechien. Da es für uns das Land mit den größten Erfolgschancen war.

 

Nur in wenigen Ländern ist eine offene Spende möglich. Sofern Ihr eine anonyme Spende hattet, hattet Ihr im Vorfeld große moralische Bedenken und wie fühlt es sich nun nach der Entbindung an? Sind eventuelle Bedenken weiterhin vorhanden?

Nein absolut nicht. Und wenn Luka alt genug ist, um es zu verstehen, wird er natürlich auch aufgeklärt.

 

Viele haben ein Problem mit einer Eizellspende, da sie dann ihre eigenen Gene nicht weitergeben. Wie habt Ihr vor der Spende darüber gedacht und denken Du und / oder Dein Partner jetzt noch immer manchmal darüber nach?

Am Anfang gibt es natürlich Zweifel, aber jetzt überhaupt nicht mehr.  Luka ist und bleibt unser ein und alles. Gene sind da nebensächlich.

 

War es schwierig für Dich, einen Arzt zu finden, der Euch bei Eurem Vorhaben unterstützt? Oder hast Du es gar nicht erzählt, sondern eine ICSI mit eigenen Eizellen als Vorwand für die Untersuchungen genommen?

Nein, wie schon erwähnt, hat uns meine Frauenärztin von Anfang an unterstützt.

 

Spenderinnen werden in der Regel nach äußerlichen Merkmalen wie z. B. Größe, Haar- und Augenfarbe von den Kliniken ausgesucht, um zu den zukünftigen Eltern optisch zu passen.  Wie wichtig war Euch das oder gab es ein anderes Merkmal, dass Ihr Euch in Bezug auf die Spenderin „gewünscht“ habt?

Für uns war es nicht so wichtig wie die Spenderin aussieht. Uns war nur wichtig, dass die Blutgruppen kompatibel sind.

 

Habt Ihr einen Spenderinnenvorschlag abgelehnt, da Ihr ein ungutes Gefühl hattet und „es einfach nicht gepasst“ hat? Wenn ja, warum? Was hat Euch gestört?

Nein, haben wir nicht.

 

Wen habt Ihr im Vorfeld über die Eizellspende eingeweiht (Freunde, Familie, Bekannte, Kollegen, Internetbekannte?)? Würdet Ihr wieder so entscheiden? Wie war die Reaktion von denen, die Ihr eingeweiht habt? Falls es negative Kommentare gab, wie habt Ihr darauf reagiert?

Nur meine Eltern und Schwiegereltern.  und ja würde ich wieder so machen.

 

Kommentiert das Umfeld oft (nicht) vorhandene Ähnlichkeit? Wie fühlt es sich für Euch an und wie geht Ihr damit um? 

Ja. Aber ich schalt da auf Durchzug. Es ist und bleibt mein Kind egal, ob Ähnlichkeit oder nicht.

 

Habt Ihr noch einen besonderen Rat oder Geheimtipp an die Paare, die eine Eizell- oder Embryospende noch vor sich haben?

Egal, was andere darüber sagen, ob positiv oder negativ, geht euren Weg und denkt immer positiv.

 

Vielen Dank Antonia und Danijel für dieses Interview!

Seid auch Ihr Eltern Dank Eizell- oder Embryospende? Dann meldet Euch gerne bei mir, gerne würde ich auch Euch interviewen.

Herzliche Grüße
Pippilottta