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Ein Interview mit Katharina

Katharina (37) erfuhr vor 4 Jahren, dass sie schon lange in den Wechseljahren ist und dennoch wollte sie nichts sehnlicher als ein zweites Baby haben.

 

Mögt Ihr uns von Eurem Kinderwunschweg VOR der Spende erzählen? Und wieso habt Ihr Euch dazu entschieden eine Eizellspende in Anspruch zu nehmen?

Meinem Freund war es egal, wir hatten schon einen Sohn, der zufällig entstanden war, aber da mein Wunsch nach einem 2. Kind immer größer war, unterstützte er mich glücklicherweise. Zunächst wuchs der Wunsch langsam an, nach 2 Jahren dann wollte mein Freund auch ein 2. Kind haben, aber es klappte einfach nicht. Ich steigerte mich immer mehr rein – Ovulationstests, Sex zur fruchtbaren Zeit usw. – als es immernoch nicht geklappt hatte, ging ich zu den Ärzten. Mein Freund (so wie viele Männer) war sich sowas von sicher, dass er nicht schuld ist, dass er freiwillig eine Spende abgab. Tja, er hatte Recht, seine Schwimmer waren in top Form. Im Sommer 2012 erfuhr ich dann, dass mein AMH bei 0,14 lag – ein paar Wochen später nur noch bei 0,1. Mir war klar, was dies zu bedeuten hatte. Da ich zufälligerweise schon von der Eizellspende gehört hatte, erforschte ich nun diesen Weg.

 

Für viele ist es erst einmal ein Schock, den es zu verdauen gilt, wenn man gesagt bekommt, dass man sozusagen austherapiert ist. Fiel Euch die Entscheidung für eine Eizellspende schwer? Welche Gedanken gingen Euch dabei durch den Kopf?

Mein Freund hat, so viel ich weiß, nicht nachgedacht. Aber ich umso mehr. Meine Schwiegermutter war da ne super Hilfe, sie sagte „ich nehme alle Babys gern, außerdem kommen meine Vorfahren aus Tschechien, also passt das“. Meine Gedanken waren recht simpel. Werde ich das Baby lieben können, wird es mein Kind, wie gehen die anderen damit um usw. Da ich zu der Zeit arbeitslos war, hatte ich viel Zeit mich in Foren zu erkundigen.

 

Eine Spende ist keine Sache, für die man sich mal eben entscheidet. Wie lange hat der Entscheidungsprozess gedauert? Wer hat Euch in dieser Phase geholfen, hat Euch zugehört und Euch den Rücken gestärkt?

Da müsste ich ein wenig weiter ausholen. Durch eine sehr gute Freundin von mir, hatte ich bereits VOR meinen Problemen erfahren, dass es Eizellspende gibt. Ihre Schwester war Vorreiterin, ging damit offen um, tingelte von Talkshow zu Talkshow um die Eizellspende in Deutschland legalisieren zu lassen – bisher leider ohne Erfolg. Aber ohne diese Frau hätte ich nie (oder nicht so schnell) erfahren, was es für Lösungen gibt. Zu dem Zeitpunkt dachte ich mir nur „gut, dass ich das Problem nicht habe“.

Als bei mir dann klar war, dass ich keine nutzbaren Eier habe, fragte ich die Schwester meiner Freundin natürlich aus um mehr zu erfahren. Über Foren forschte ich dann wo es am Besten wäre und stieß so auf Prag. Meine Freundin unterstützte mich und beschützte mich vor anderen Leuten, die sagten „du hast doch schon eins, das reicht doch“ oder „wenn es nicht kommen will, dann soll es so sein“ usw.

Aber auch meiner Mutter erzählte ich was ich vorhabe und auch sie unterstützte mich seelisch. Am Anfang war sie jedoch sehr skeptisch, da ja immerhin 0% von ihrer Familie in dem geplanten Baby sein werden. Dies verflog später jedoch.

 

Habt Ihr (parallel) über eine Adoption oder ein Pflegekind nachgedacht?

Adoption fiel aus, da wir nicht verheiratet sind. Jedoch dachte ich tatsächlich über eine Langzeitpflege nach. Das war sogar noch vor den künstlichen Befruchtungen. Ich hatte sogar schon einen Termin bekommen für einen Infoabend. Da ich aber einen Babysitter brauchte, musste ich den erst organisieren. Als ich dann den Termin bestätigen wollte, sagte man mir, dass der Infoabend überbucht sei und ich somit nicht kommen könnte. Anfänglich war ich sauer darüber und dachte mir meinen Teil. Dann jedoch sagte ich zu mir „dann soll es so sein“ und nahm von da an die künstliche Befruchtung in Angriff.

 

Wie seid Ihr bei der Wahl Eurer Klinik vorgegangen? Welche Kriterien waren Euch besonders wichtig, welche wären schön gewesen, wenn die Klinik sie erfüllt hätte?

Ich las in Foren. Mir war wichtig, dass wir nur 1x hin müssen, weil es doch recht schwierig ist dies zu organisieren. Bewertungen waren mir wichtig. Am Ende hatte ich 2 Kliniken im Auge. Bei der einen Klinik war es einfacher an einen Termin zu kommen und alles in einen Rutsch zu erledigen. Tja, leider war die Kommunikation mit der ersten Klinik am Ende doch nicht so prickelnd. Klar hatten die auch Paare schwanger gemacht, aber eine gute Kommunikation ist mir sehr wichtig. Meine zweite Klinik hingegen erfüllte alle Wünsche, man musste aber dafür 2x hin – aber das störte mich nicht, denn ich wollte schwanger werden und versuchte daher alles..

 

In welchem Land hattet Ihr eine Spende und warum dort?

In Tschechien in Prag.

 

Nur in wenigen Ländern ist eine offene Spende möglich. Sofern Ihr eine anonyme Spende hattet, hattet Ihr im Vorfeld große moralische Bedenken und wie fühlt es sich nun nach der Entbindung an? Sind eventuelle Bedenken weiterhin vorhanden?

Naja, es ist sehr schade, dass meine Tochter womöglich nie ihre genetische Mutter und die damit verbundenen Geschwister kennen lernen wird, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Klinik eines Tages mit der Spenderin ein Treffen arrangiert.

Meine Bedenken sind da, werden immer wieder kommen. Denn wie erklärt man einem Kind, dass es adoptiert / gespendet / künstlich hergestellt ist? Es ist schwer, aber ich denke, dass ich mit meiner Offenheit es schaffen werde meiner Tochter zu erklären, dass sie extra für mich erschaffen wurde. Aber leid tut sie mir dennoch, denn irgendwie möchte ja jeder erfahren wo seine Wurzeln her kommen.

 

Viele haben ein Problem mit einer Eizellspende, da sie dann ihre eigenen Gene nicht weitergeben. Wie habt Ihr vor der Spende darüber gedacht und denken Du und / oder Dein Partner jetzt noch immer manchmal darüber nach?

Da hatte ich keine Probleme mit. Eigentlich war es für mich recht einfach, ich sah es gelassen und sagte: „Supi, dann kann das Kind all meine Krankheiten schon mal nicht erben.“.

 

Hat die Frage nach der Entstehung irgendwann überhaupt noch eine Relevanz? Wenn man zum Beispiel später mit den pubertierenden Kindern herumstreitet, denkt man dann so idiotische Dinge wie „das müssen die Gene sein!“?

Antwort: Meine Tochter ist zwar erst 2 Jahre alt, aber der Satz fiel mir schon öfters ein. Aber eher im positiven Sinne. Denn meine Tochter ist sehr lieb und hilfsbereit und dann sage / denke ich immer, dass sie das von ihrer Mutter haben muss. 🙂

 

War es schwierig für Dich, einen Arzt zu finden, der Euch bei Eurem Vorhaben unterstützt? Oder hast Du es gar nicht erzählt, sondern eine ICSI mit eigenen Eizellen als Vorwand für die Untersuchungen genommen?

Offiziell darf man ja nichts erzählen, also erzählte man Lügen, damit man einen Arzt findet. Das Problem war recht schnell erledigt, denn unter der „Ladentheke“ kann man ja offen sprechen und so lang die Untersuchungen im Rahmen sind, ist das alles auch kein Problem. Natürlich habe ich den Ärzten erst danach erzählt was Sache ist und da ich mehrere aufgesucht hatte, wechselte ich immer hin und her, sodass die Untersuchungsflut nicht auffiel.

 

Spenderinnen werden in der Regel nach äußerlichen Merkmalen wie z. B. Größe, Haar- und Augenfarbe von den Kliniken ausgesucht, um zu den zukünftigen Eltern optisch zu passen.  Wie wichtig war Euch das oder gab es ein anderes Merkmal, dass Ihr Euch in Bezug auf die Spenderin „gewünscht“ habt?

Ich wollte keine dumme Frau haben, die optisch zu mir passt, damit das Kind sich später nicht wie ein Außenseiter fühlt. Wichtig war mir das alles nicht, aber da ich ja Wünsche angeben sollte, fand ich es umso besser als alle erfüllt wurden.

 

Habt Ihr einen Spenderinnenvorschlag abgelehnt, da Ihr ein ungutes Gefühl hattet und „es einfach nicht gepasst“ hat? Wenn ja, warum? Was hat Euch gestört?

Nein.

 

Habt Ihr Euch schon entschieden, ob Ihr Euer Kind / Eure Kinder über Ihre ganz besondere Entstehungsgeschichte aufklären?

Ich war früher TV-Junkie und habe so viele Geschichten (ob erfunden oder nicht) über adoptierte Kinder gesehen, dass mir von vorn herein klar war, dass ich mein Kind so schnell wie möglich aufklären möchte. Tja, meine Tochter ist nun 2 und bisher ist keine Aufklärung in Sicht. Aber für den Fall der Fälle hab ich schon mal ein Buch (noch während der Schwangerschaft) gekauft. „The very special Ducklings“ sehr niedlich geschrieben, recht einfach erklärt – ist zwar auf Englisch, aber das macht nichts.

 

Falls ja: Wisst Ihr schon, wie genau Ihr dabei vorgehen wollt?

Ich warte ab, bis sie sprechen kann. Dann werde ich langsam mit der Aufklärung anfangen. Ich vermute, dass dies bis zur Pubertät andauern wird. Denn wenn sie 5 ist, weiß sie zwar alles darüber, aber verstehen tut sie es da sicher noch nicht. Aber wie genau ich sie darauf anspreche, ihr es erkläre, wird der Moment dann zeigen.

 

Wen habt Ihr im Vorfeld über die Eizellspende eingeweiht (Freunde, Familie, Bekannte, Kollegen, Internetbekannte?)? Würdet Ihr wieder so entscheiden? Wie war die Reaktion von denen, die Ihr eingeweiht habt? Falls es negative Kommentare gab, wie habt Ihr darauf reagiert?

Ich bin recht offen mit meinem Vorhaben umgegangen. Manche verstanden mich, andere nicht, andere enthielten sich, da sie keine Meinung dazu hatten. Nicht alle wissen Bescheid und das macht es dann schwerer für mich, da man sich irgendwann nicht mehr erinnert wem man was erzählt hat. Aber ja, die Offenheit würde ich immer bevorzugen. Nur Kollegen gegenüber sollte man sich bedeckt halten. Natürlich gab es auch Bekannte, die ihren Senf dazu beitragen wollten, jedoch lernte ich schnell, dass Schweigen manchmal das Beste in solchen Situationen ist.

Im Übrigen hatte ich meinen Anwalt vorher gefragt was mir passieren würde, wenn mich einer deswegen anzeigt. Er überlegte und sagte, dass man mir im schlimmsten Fall eine Geldstrafe geben würde, aber ich müsste keine Angst haben, da ich keinem schaden würde, würde man eher die Anklage fallen lassen.

 

Kommentiert das Umfeld oft (nicht) vorhandene Ähnlichkeit? Wie fühlt es sich für Euch an und wie geht Ihr damit um? 

Oh ja, das kam schon des Öfteren vor. Als ich meine Eltern besucht hatte, sagte eine Besucherin zu meiner Mutter, dass meine Tochter meinem Vater sehr ähneln würde. Meine Mutter und ich grinsten uns nur an und lachten später. Ich finde das nicht schlimm.

Lustiger Weise schaue ich mein Kind öfters an und entdecke Ähnlichkeiten/Gemeinsamkeiten mit mir und staune immer wieder darüber.

Im Endeffekt glaube ich einfach, dass die Klinik super Arbeit geleistet hat, denn die hatten sich vorher Bilder von uns angeschaut und Aufgrund dessen eine Spenderin ausgesucht. Hut ab für diese tolle Leistung.

 

Habt Ihr noch einen besonderen Rat oder Geheimtipp an die Paare, die eine Eizell- oder Embryospende noch vor sich haben?

Traut euch, das Kind wird euern Alltag bereichern. Auch wenn es nicht gleich beim 1. Mal klappt, gebt nicht auf, kämpft weiter. Mit der richtigen Klinik in der Hinterhand ist dies kein Problem. Wenn ich könnte würde ich jedes unglückliche Paar in meine Klinik schicken. Es wird fast jeder glücklich raus kommen. Das Geld lohnt sich allemal und könnte ich, würde ich meiner Spenderin jeden Monat Geld zum Dank schenken. Diese Spenderin hat mein Leben vollkommen gemacht. Wenn ihr könnt und wollt, bringt eure eigene Spenderin mit.

 

Vielen Dank Katharina für dieses Interview!

Seid auch Ihr Eltern Dank Eizell- oder Embryospende? Dann meldet Euch gerne bei mir, gerne würde ich auch Euch interviewen.

Herzliche Grüße
Pippilottta

Ich freue mich über Kommentare, Gedanken und Anregungen :)