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Ein Interview mit Antonia und Danijel

Antonia (35) und Danijel (38) versuchten vier Jahre lang auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Nach etlichen Ovulations- und Fruchtbarkeitstest sowie zwei IVF-Behandlungen in Deutschland, entschieden sie sich für den Weg der Eizellspende in Tschechien. Am 11.11.2015 kam ihr Sohn Luka Antonio zur Welt. Die Zeit verging wie im Flug und er feierte dieses Jahr schon seinen 1. Geburtstag.

 

Mögt Ihr uns von Eurem Kinderwunschweg VOR der Spende erzählen? Und wieso habt Ihr Euch dazu entschieden eine Eizellspende in Anspruch zu nehmen?

Wir haben vier lange Jahre versucht auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Als da nix gefruchtet hat, sind wir den weg der Kinderwunschbehandlung in Deutschland gegangen. Nach zwei erfolglosen IVF-Behandlungen: 1. Behandlung keine Eizelle punktiert, 2. Behandlung eine, aber sie wollte sich nicht festbeißen. Gesundheitlich war allerdings bei beiden alles ok. Dann entschieden wir uns für den weg der Eizellspende in Prag. Zwei Wochen später war ich schwanger. In der Schwangerschaft stellte man dann fest, dass ich am Marfan-Syndrom leide, es ist keine ernsthafte Erkrankung. Das Marfan-Syndrom ist eine Art Bindegewebskrankheit, bei der das Muskelgewebe sehr betroffen ist. Und diese Patienten können sehr schwer auf natürlichem Wege schwanger werden.

 

Für viele ist es erst einmal ein Schock, den es zu verdauen gilt, wenn man gesagt bekommt, dass man sozusagen austherapiert ist. Fiel Euch die Entscheidung für eine Eizellspende schwer? Welche Gedanken gingen Euch dabei durch den Kopf?

Nein absolut nicht, es fiel uns überhaupt nicht schwer, ganz im Gegenteil, wir waren sogar sehr dankbar, dass es diese Frauen gibt, die anderen Paaren ihren Traum vom eigenen Kind ermöglichen. Klar gingen mir Gedanken durch den Kopf wie wem wird es wohl ähnlich sehen, aber im Endeffekt dachte ich mir, die Frau hat uns geholfen, aber letztendlich ist und bleibt es mein Kind.

 

Eine Spende ist keine Sache, für die man sich mal eben entscheidet. Wie lange hat der Entscheidungsprozess gedauert? Wer hat Euch in dieser Phase geholfen, hat Euch zugehört und Euch den Rücken gestärkt?

Nicht lange, wir waren uns eigentlich ziemlich schnell einig. In dieser Phase waren meine Frauenärztin und meine Eltern immer für uns da.

 

Habt Ihr (parallel) über eine Adoption oder ein Pflegekind nachgedacht?

Ja.

 

Wie seid Ihr bei der Wahl Eurer Klinik vorgegangen? Welche Kriterien waren Euch besonders wichtig, welche wären schön gewesen, wenn die Klinik sie erfüllt hätte?

Eigentlich war für uns schnell klar, dass es unsere Klinik wird, da von dieser Klinik am schnellsten Antwort kam und wir uns auch beim Erst-Gespräch sehr wohl gefühlt haben.

 

In welchem Land hattet Ihr eine Spende und warum dort?

Tschechien. Da es für uns das Land mit den größten Erfolgschancen war.

 

Nur in wenigen Ländern ist eine offene Spende möglich. Sofern Ihr eine anonyme Spende hattet, hattet Ihr im Vorfeld große moralische Bedenken und wie fühlt es sich nun nach der Entbindung an? Sind eventuelle Bedenken weiterhin vorhanden?

Nein absolut nicht. Und wenn Luka alt genug ist, um es zu verstehen, wird er natürlich auch aufgeklärt.

 

Viele haben ein Problem mit einer Eizellspende, da sie dann ihre eigenen Gene nicht weitergeben. Wie habt Ihr vor der Spende darüber gedacht und denken Du und / oder Dein Partner jetzt noch immer manchmal darüber nach?

Am Anfang gibt es natürlich Zweifel, aber jetzt überhaupt nicht mehr.  Luka ist und bleibt unser ein und alles. Gene sind da nebensächlich.

 

War es schwierig für Dich, einen Arzt zu finden, der Euch bei Eurem Vorhaben unterstützt? Oder hast Du es gar nicht erzählt, sondern eine ICSI mit eigenen Eizellen als Vorwand für die Untersuchungen genommen?

Nein, wie schon erwähnt, hat uns meine Frauenärztin von Anfang an unterstützt.

 

Spenderinnen werden in der Regel nach äußerlichen Merkmalen wie z. B. Größe, Haar- und Augenfarbe von den Kliniken ausgesucht, um zu den zukünftigen Eltern optisch zu passen.  Wie wichtig war Euch das oder gab es ein anderes Merkmal, dass Ihr Euch in Bezug auf die Spenderin „gewünscht“ habt?

Für uns war es nicht so wichtig wie die Spenderin aussieht. Uns war nur wichtig, dass die Blutgruppen kompatibel sind.

 

Habt Ihr einen Spenderinnenvorschlag abgelehnt, da Ihr ein ungutes Gefühl hattet und „es einfach nicht gepasst“ hat? Wenn ja, warum? Was hat Euch gestört?

Nein, haben wir nicht.

 

Wen habt Ihr im Vorfeld über die Eizellspende eingeweiht (Freunde, Familie, Bekannte, Kollegen, Internetbekannte?)? Würdet Ihr wieder so entscheiden? Wie war die Reaktion von denen, die Ihr eingeweiht habt? Falls es negative Kommentare gab, wie habt Ihr darauf reagiert?

Nur meine Eltern und Schwiegereltern.  und ja würde ich wieder so machen.

 

Kommentiert das Umfeld oft (nicht) vorhandene Ähnlichkeit? Wie fühlt es sich für Euch an und wie geht Ihr damit um? 

Ja. Aber ich schalt da auf Durchzug. Es ist und bleibt mein Kind egal, ob Ähnlichkeit oder nicht.

 

Habt Ihr noch einen besonderen Rat oder Geheimtipp an die Paare, die eine Eizell- oder Embryospende noch vor sich haben?

Egal, was andere darüber sagen, ob positiv oder negativ, geht euren Weg und denkt immer positiv.

 

Vielen Dank Antonia und Danijel für dieses Interview!

Seid auch Ihr Eltern Dank Eizell- oder Embryospende? Dann meldet Euch gerne bei mir, gerne würde ich auch Euch interviewen.

Herzliche Grüße
Pippilottta

Ich freue mich über Kommentare, Gedanken und Anregungen :)