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Ein Interview mit Simone und Richard

Simone (36) und Richard (37) haben vier Jahre versucht ein Kind zu bekommen. Leider konnte dieser Wunsch ohne „Hilfe“ nicht erfüllt werden. Deshalb ging es im Mai 2015 nach Tschechien zur Eizellspende. Heute sind sie glückliche Eltern von ihrer neun Monate alten Schnecke.

 

Mögt Ihr uns von Eurem Kinderwunschweg VOR der Spende erzählen? Und wieso habt Ihr Euch dazu entschieden eine Eizellspende in Anspruch zu nehmen?

Vor der Spende, dachte ich immer: ich lass einfach die Pille weg (2011) und schwupps bin ich schwanger. Mir war schon klar, dass es sich etwas hinziehen kann, das daraus vier Jahre werden hätten wir beide nicht gedacht. Nachdem ich die Pille abgesetzt hatte, wartete ich vergeblich auf meine Periode. Da ich mich zu der Zeit in meiner zweiten Ausbildung befand, machte ich mir zunächst keine Gedanken, bzw. hatte den Kopf voll mit meinen Prüfungen. Dann entschied ich mich doch mal zu meinem Frauenarzt zu gehen und mal nachzufragen ob das normal ist, schließlich nahm ich die Pille schon ewig. Naja, mein Frauenarzt schickte mich zu einem Kinderwunschzentrum, um genauere Untersuchungen durchführen zu lassen. Denn er erkannte bereits, dass ich keine Eizellen mehr habe. Auch da war mir noch nicht klar, was auf mich und uns zukommen würde.

Mit Hilfe von Hormonen versuchte man dort meinen Zyklus in Gang zu bekommen und zu schauen, ob ich noch eigene Eizellen produziere. Die Hiobsbotschaft kam zwei Tage vor Weihnachten: Vorzeitige Wechseljahre!!! Sie werden keine Kinder bekommen können!  Für mich brach eine Welt zusammen und auf Weihnachten hatte ich mal so gar keinen Bock mehr. Mein Mann musste auch ein paar Mal schlucken, aber ich denke für Männer ist es was Anderes. Ich war völlig fertig, mein Mann ganz cool und sagte immer: Das kriegen wir schon hin! Ähm…ja, nur wie ohne Eizellen, denn zaubern konnte und kann ich leider nicht.

Das Gespräch mit der Kiwu war sehr tränenreich und die Ärztin machte mir klar, das hier in Deutschland niemand helfen könne, ob ich schon mal was von Eizellspende gehört habe.  Nein, das hatte ich nicht. Warum sollte ich mich auch damit beschäftigen, ich was ja davon ausgegangen das alles tipp topp ist und ich Kinder ohne Ende bekommen könnte. Näher ging sie logischer weise nicht darauf ein, sie empfahl mir mal zu googeln… ich tat was sie „befahl“ 😉

 

Für viele ist es erst einmal ein Schock, den es zu verdauen gilt, wenn man gesagt bekommt, dass man sozusagen austherapiert ist. Fiel Euch die Entscheidung für eine Eizellspende schwer? Welche Gedanken gingen Euch dabei durch den Kopf?

Entscheidung zur Eizellspende viel uns, komischer weise, gar nicht schwer. Wir wollten beide ein Kind! Natürlich macht man sich Gedanken: wie ist das eine „fremde“ Eizelle zu bekommen. Kann ich das Kind lieben? Aber all diese Gedanken verflogen immer mehr, je näher wir unserem Ziel kamen. Unsere Schnecke ist zwar genetisch nicht von mir, aber das ist völlig nebensächlich. Ich habe sie von dem Tag an geliebt, als sie mir transferiert wurde.

 

Eine Spende ist keine Sache, für die man sich mal eben entscheidet. Wie lange hat der Entscheidungsprozess gedauert? Wer hat Euch in dieser Phase geholfen, hat Euch zugehört und Euch den Rücken gestärkt?

Oh nein, das ist gewiss keine Sache die man eben mal so eben entscheidet. Von der Diagnose bis zum Erstgespräch verging ein Jahr. Während des Jahres habe ich diverse Foren und Seiten im Internet studiert und mich informiert.

Unterstützung, was Gespräche darüber anging, bekamen wir von der Familie meines Mannes und ein paar Freunden. Meine Eltern hatte damit ein Problem und ich hatte immer das Gefühl, es ist ihnen nicht recht. Es war eine schwierige Zeit, denn kurz nach der Diagnose eröffnete mir meine Schwester, dass sie schwanger sei!

 

Habt Ihr (parallel) über eine Adoption oder ein Pflegekind nachgedacht?

Nein, das war überhaupt kein Thema.

 

Wie seid Ihr bei der Wahl Eurer Klinik vorgegangen? Welche Kriterien waren Euch besonders wichtig, welche wären schön gewesen, wenn die Klinik sie erfüllt hätte?

Die Wahl der Klinik ist eine Bauchsache. Ich habe bestimmt acht Kliniken angeschrieben, mir einen Ordner angelegt und die wichtigsten Fakten notiert. Sehr darauf geachtet habe ich auf die moderne Ausstattung der Klinik, das Deutsch gesprochen wird, sowie die Erfolgsrate bei Eizellspende und natürlich auch die Preise. Im Endeffekt wurde es die erste Klinik die damals geantwortet hat. Mein Mann hielt sich da völlig raus, was mich damals echt sauer gemacht hat. Aber heute denke ich, er hatte recht denn er sagte immer: Du musst dich dort wohlfühlen, ich geben nur einen „geringen“ Teil dazu bei. Ich stehe total hinter dir. Hach, ich weiß schon warum ich ihn geheiratet hab <3

Lange Rede, kurzer Sinn. Nach 10 Monaten war die Klinik gefunden und der Termin für das Erstgespräch stand an.

 

In welchem Land hattet Ihr eine Spende und warum dort?

In Tschechien, dort war die Wartezeit sehr gering und aus diversen Foren hatte ich nur positives über Eizellspende dort gelesen. Auch preislich war es in Ordnung.

 

Nur in wenigen Ländern ist eine offene Spende möglich. Sofern Ihr eine anonyme Spende hattet, hattet Ihr im Vorfeld große moralische Bedenken und wie fühlt es sich nun nach der Entbindung an? Sind eventuelle Bedenken weiterhin vorhanden?

Wir hatten nie moralische Bedenken, die wurden uns ab und zu mal von meiner Familie eingeredet. Kurz nach der Entbindung unserer Schnecke, kamen mal Bedenken auf: wie ist es für sie zu erfahren das ich nicht ihre genetische Mutter bin. Aber die sind völlig verflogen. Wir möchten sie auch wahrscheinlich irgendwann darüber aufklären, dazu gibt es auch einige Bücher die dann hoffentlich helfen werden.

 

Viele haben ein Problem mit einer Eizellspende, da sie dann ihre eigenen Gene nicht weitergeben. Wie habt Ihr vor der Spende darüber gedacht und denken Du und / oder Dein Partner jetzt noch immer manchmal darüber nach?

Wie bereits geschrieben, war der Gedanke mal kurz da…aber auch schnell wieder verflogen. Sie ist und bleibt mein Kind, ich habe sie 41 Wochen unter meinem Herzen getragen!!!

Auch mein Mann denkt da nicht drüber nach.

 

War es schwierig für Dich, einen Arzt zu finden, der Euch bei Eurem Vorhaben unterstützt? Oder hast Du es gar nicht erzählt, sondern eine ICSI mit eigenen Eizellen als Vorwand für die Untersuchungen genommen?

Mein Frauenarzt war eine große Hilfe, er unterstützte mich die ganze Zeit. Natürlich durfte er offiziell nichts davon wissen, aber er fand meinen „Fall“ sehr interessant und fragte mir oft Löcher in den Bauch. Ich war seine erste Patientin die auf eine Eizellspende zurückgreifen musste. Die Untersuchungen machte er unentgeltlich und half wo er konnte.

 

Spenderinnen werden in der Regel nach äußerlichen Merkmalen wie z. B. Größe, Haar- und Augenfarbe von den Kliniken ausgesucht, um zu den zukünftigen Eltern optisch zu passen.  Wie wichtig war Euch das oder gab es ein anderes Merkmal, dass Ihr Euch in Bezug auf die Spenderin „gewünscht“ habt?

Am Anfang war es uns sehr wichtig das das Aussehen mir/uns ähnelt. Mittlerweile denke ich da anders drüber, Hauptsache es wird eine Spenderin gefunden die uns hilft, unseren Traum zu erfüllen.

 

Habt Ihr einen Spenderinnenvorschlag abgelehnt, da Ihr ein ungutes Gefühl hattet und „es einfach nicht gepasst“ hat? Wenn ja, warum? Was hat Euch gestört?

Wir haben sofort den ersten Vorschlag angenommen.

 

Habt Ihr Euch schon entschieden, ob Ihr Euer Kind / Eure Kinder über Ihre ganz besondere Entstehungsgeschichte aufklären?

Im Moment denken wir über Aufklärung nicht nach, waren uns aber einig, dass wir es irgendwann machen wollen. Wir genießen erstmal die Zeit mit unserer Schnecke und sehen dann weiter, wenn es soweit ist.

 

Falls ja: Wisst Ihr schon, wie genau Ihr dabei vorgehen wollt?

Auch zu diesem Thema gibt es Bücher, oftmals in Englisch aber ich meine mich daran zu erinnern, dass es bald auch etwas auf Deutsch geben wird. Mit Hilfe einer Geschichte, wird es einfacher sein unsere Tochter aufzuklären, denn das verständlich zu erklären ist schon problematisch.

 

Wen habt Ihr im Vorfeld über die Eizellspende eingeweiht (Freunde, Familie, Bekannte, Kollegen, Internetbekannte?)? Würdet Ihr wieder so entscheiden? Wie war die Reaktion von denen, die Ihr eingeweiht habt? Falls es negative Kommentare gab, wie habt Ihr darauf reagiert?

Familie, Freunde, Arbeitskollegen/Chefin wurden eingeweiht. Definitiv zu viele! Falls es zu einem weiteren Versuch kommen wird, würden wir es erstmal ganz für uns behalten. Ich wurde ständig auf das Thema angesprochen und auch jetzt wo unsere Schnecke da ist, wird immer wieder über das Thema Eizellspende gesprochen.

Manche konnten damit nicht umgehen, vor allem meine Eltern. Da kamen Kommentare wie: wenn es nicht sein soll, dann soll es halt nicht sei. Ähm ja, das sagt eine zweifache Mutter. Es tat weh und ich habe mich immer mehr zurückgezogen. Jetzt lieben sie unsere Tochter über alles und es ist völlig ok für sie.

 

Kommentiert das Umfeld oft (nicht) vorhandene Ähnlichkeit? Wie fühlt es sich für Euch an und wie geht Ihr damit um? 

Ja klar. Ich freu mich darüber und denke mir meinen Teil dazu 😉 Meine Familie und auch wir erkennen sogar Ähnlichkeiten mit unserem Neffen. Ich find es immer wieder witzig, denn daran merkt man einfach, dass es überhaupt nicht darauf ankommt ob irgendwelche Genen da sind oder eben nicht.

 

Habt Ihr noch einen besonderen Rat oder Geheimtipp an die Paare, die eine Eizell- oder Embryospende noch vor sich haben?

Gebt euren Kinderwunsch niemals auf. Hört auf euer Bauchgefühl und lasst euch von niemanden beeinflussen. Niemand der dieses Schicksal nicht teilt, kann den Schmerz, diese Unvollständigkeit nicht nachvollziehen. Sucht euch Hilfe in verschiedenen Foren, ich habe vor allem Hilfe bei Facebook bekommen und bin so glücklich diese Gruppe gefunden zu haben. Nehmt euch Zeit zum recherchieren

 

Vielen Dank Simone und Richard für dieses Interview!

Seid auch Ihr Eltern Dank Eizell- oder Embryospende? Dann meldet Euch gerne bei mir, gerne würde ich auch Euch interviewen.

Herzliche Grüße
Pippilottta

Ich freue mich über Kommentare, Gedanken und Anregungen :)