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Ein Interview mit Robert und Susann

Für Robert (43 Jahre alt) und Susann (35 Jahre alt) erfüllte sich durch die Eizellspende in Prag ihr größter Traum! Ihre kleine Lina ist nun fast 6 Monate alt.

 

Mögt Ihr uns von Eurem Kinderwunschweg VOR der Spende erzählen? Und wieso habt Ihr Euch dazu entschieden eine Eizellspende in Anspruch zu nehmen?

Da ich in den vorzeitigen Wechseljahren bin, konnte man uns hier in Deutschland nicht mehr helfen. Man hatte uns dezent auf die Möglichkeit der Eizellspende aufmerksam gemacht. Versuche hier in Deutschland schwanger zu werden (Kinderwunschklinik etc.) hatten wir gar nicht, da meine Eizellreserven bereits aufgebraucht waren und es wohlmöglich nur verschenkte Zeit, Geld und Nerven gewesen werden.

 

Für viele ist es erst einmal ein Schock, den es zu verdauen gilt, wenn man gesagt bekommt, dass man sozusagen austherapiert ist. Fiel Euch die Entscheidung für eine Eizellspende schwer? Welche Gedanken gingen Euch dabei durch den Kopf?

Für uns war es schon ein Schock, dass wir überhaupt in eine Kinderwunschklinik geschickt wurden. Da war die Eizellspende ein noch größerer Schock. Sich damit anzufreunden, dass man nie ein genetisch leibliches Kind bekommen könnte…. Es zog mir den Boden unter den Füßen weg. Für meinen Mann war es eher schnell klar: entweder wir probieren es oder wir leben halt ohne Kinder. Seine Aussage war „ich habe Dich nicht geheiratet damit Du mir Kinder schenkst, sondern weil ich Dich heiraten wollte!“ Man fühlt sich als Frau irgendwie schuldig, dass man seinem Mann keine Kinder schenken kann – einfach so…

Ich brauchte aber noch ca. 6 Monate um mich überhaupt mit den Gedanken anzufreunden. Und dann ging es relativ schnell….

 

Eine Spende ist keine Sache, für die man sich mal eben entscheidet. Wielange hat der Entscheidungsprozess gedauert? Wer hat Euch in dieser Phase geholfen, hat Euch zugehört und Euch den Rücken gestärkt?

Unsere Eltern wussten es von Anfang an.Mein Mann hat sich 2 Freunden anvertraut, ich war da eher noch offener…. Hab es mehreren engen Freundinnen erzählt. Um mich vielleicht „abzusichern“ ?!?! Ich weiß es nicht. Ich brauchte diesen Austausch und brauchte verschiedene Meinungen zu dem Thema. Von Diagnose bis zum Anschreiben einer Klinik hat es etwa 1 Jahr gedauert.

 

Habt Ihr (parallel) über eine Adoption oder ein Pflegekind nachgedacht?

Nein

 

Wie seid Ihr bei der Wahl Eurer Klinik vorgegangen? Welche Kriterien waren Euch besonders wichtig, welche wären schön gewesen, wenn die Klinik sie erfüllt hätte?

Ich habe mir im Internet Kliniken angesehen, war auch in einem Forum. Habe 3 Stück rausgesucht, sie meinem Mann gezeigt und ihn gebeten eine auszuwählen. Es hatte sich mit meiner Wahl gedeckt. Parallel hatte ich noch eine Klinik in Österreich angeschrieben, da dort die Spende nicht anonym verläuft. Unsere Wahl fiel trotzdem auf Tschechien.

 

In welchem Land hattet Ihr eine Spende und warum dort?

Tschechien – Prag. Es war aus dem Bauch heraus und klar auch eine Kostenfrage.

 

Nur in wenigen Ländern ist eine offene Spende möglich. Sofern Ihr eine anonyme Spende hattet, hattet Ihr im Vorfeld große moralische Bedenken und wie fühlt es sich nun nach der Entbindung an? Sind eventuelle Bedenken weiterhin vorhanden?

Natürlich hatten wir bedenken. Auch jetzt schleicht sich schon manchmal der Gedanke ein, was wir eventuell ihr damit verwehrt haben. Auch was das Aussehen angeht – ist es schon manchmal schmerzlich zu wissen, dass ich nie eine Ähnlichkeit mit ihr haben werde. Ich hoffe, sie wird verstehen warum wir so gehandelt haben bzw. hoffen wir, dass ihr nicht mal ein großer Teil in ihrem Leben fehlen wird. Wir sind nun diesen Weg gegangen und stehen auch voll dahinter.

 

Viele haben ein Problem mit einer Eizellspende, da sie dann ihre eigenen Gene nicht weitergeben. Wie habt Ihr vor der Spende darüber gedacht und denken Du und / oder Dein Partner jetzt noch immer manchmal darüber nach?

Wir hatten vor unserer Babyplanung keine Ahnung von der Eizellspende. Man kannte diese gängigen Dinge wie Adoption oder Pflegeelternschaft, aber das Thema Spende war für uns neu.

Wir sind der Meinung, es könnte auch in Deutschland funktionieren bzw. sollte das Gesetz hierzu neu überarbeitet werden. Ich glaube die Nachfrage ist hier sehr hoch. Durch das Internet wurden wir darauf aufmerksam, wie viele solche Spenden benötigen und in Anspruch nehmen.

Ich denke häufiger darüber nach. Mein Mann weniger, aber sie ist ja auch sein leibliches Kind.

 

War es schwierig für Dich, einen Arzt zu finden, der Euch bei Eurem Vorhaben unterstützt? Oder hast Du es gar nicht erzählt, sondern eine ICSI mit eigenen Eizellen als Vorwand für die Untersuchungen genommen?

Der Arzt in der Kinderwunschklinik hat uns eine Ärztin in unserem Ort empfohlen. Er wusste, dass sie im Bereich Fortpflanzungsmedizin bereits tätig war. Diese Ärztin war von Anfang positiv der Sache eingestellt und fieberte immer mit.

 

Spenderinnen werden in der Regel nach äußerlichen Merkmalen wie z. B. Größe, Haar- und Augenfarbe von den Kliniken ausgesucht, um zu den zukünftigen Eltern optisch zu passen.  Wie wichtig war Euch das oder gab es ein anderes Merkmal, dass Ihr Euch in Bezug auf die Spenderin „gewünscht“ habt?

Wir haben der Klinik vertraut. Haben im Vorfeld Fotos von mir geschickt und die Daten von mir (Größe, Haarfarbe etc.). Haben nur noch erwähnt, dass sie keine kleine Stupsnase haben soll, da in unseren beiden Familien eher markantere Nasen vorhanden sind.

 

Habt Ihr einen Spenderinnenvorschlag abgelehnt, da Ihr ein ungutes Gefühl hattet und „es einfach nicht gepasst“ hat? Wenn ja, warum? Was hat Euch gestört?

Nein

 

Habt Ihr Euch schon entschieden, ob Ihr Euer Kind / Eure Kinder über Ihre ganz besondere Entstehungsgeschichte aufklären?

Wir wollen aufklären, wissen aber noch nicht genau wie. Die Vorstellung ist, so früh wie möglich das Thema anzugehen. Überlegung ist, es mit einem Buch zu erklären. Es gibt derartige Aufklärungsbücher, zwar auf Englisch, aber das wäre nicht das Problem.

 

Wen habt Ihr im Vorfeld über die Eizellspende eingeweiht (Freunde, Familie, Bekannte, Kollegen, Internetbekannte?)? Würdet Ihr wieder so entscheiden? Wie war die Reaktion von denen, die Ihr eingeweiht habt? Falls es negative Kommentare gab, wie habt Ihr darauf reagiert?

Ich habe Freundinnen und Internetbekanntschaften (aus Foren zu diesem Thema), mein Mann hat 2 Freunde eingeweiht. Eltern waren sowieso von Anfang an in Kenntnis gesetzt. Bisher waren die Reaktionen positiv und keiner kann verstehen, dass es Deutschland nicht erlaubt ist.

 

Kommentiert das Umfeld oft (nicht) vorhandene Ähnlichkeit? Wie fühlt es sich für Euch an und wie geht Ihr damit um? 

Bisher wurde ich einmal direkt angesprochen, dass keine Ähnlichkeit zu mir vorhanden wäre. Es tut schon weh. Manchmal stelle ich mir auch vor, wie die Spenderin aussieht.. aber diese Gedanken sind nicht immer präsent. Wir bzw. gerade ich liebe unsere Tochter über alles.

 

Habt Ihr noch einen besonderen Rat oder Geheimtipp an die Paare, die eine Eizell- oder Embryospende noch vor sich haben?

Handelt nach Eurem Bauchgefühl. Wenn ihr Euch mit diesen Schritt wohl fühlt und sicher seid, dann geht diesen Weg. Durch diese Spende hatte ich das Glück eine Schwangerschaft und Geburt zu erfahren. Ich bin unendlich dankbar und froh, dass wir diese Möglichkeit bekommen haben und nun eine Familie sind.

 

Vielen Dank Robert und Susann für dieses Interview!

Seid auch Ihr Eltern Dank Eizell- oder Embryospende? Dann meldet Euch gerne bei mir, gerne würde ich auch Euch interviewen.

Herzliche Grüße
Pippilottta

Ich freue mich über Kommentare, Gedanken und Anregungen :)