Plan B - Eizellspende
Kommentare 4

Heute vor genau einem Jahr…

… konnte ich nicht schlafen! Ich hatte wie auch jetzt mein Handy in der Hand wartete! Worauf? Ok, ganz von vorne!

Gestern vor genau einem Jahr war der letzte richtig miese Tag unserer Gefühlsachterbahn und zugleich der erste Tag unserer teils doch sehr turbulenten Fahrt, die nun in absehbarer Zeit ein Ende haben sollte.

Morgens bin ich in unsere Kiwu gefahren, um mir Blut abnehmen zu lassen. Wir steckten gerade in unserer siebten und letzten ICSI in Deutschland, mit eigenen Eizellen und heute würden wir erfahren, ob wir DEM Ziel ein Stückchen näher waren oder ob wir hier die Züge wechseln würden, um es mit Plan B, der Eizellspende, aufzunehmen. Ich vergesse zwar viel, was „heute vor genau einem Jahr, einem Monat etc.“ angeht, nur dieser Tag hat sich wie einige andere in mein Hirn gebrannt:

Ich hatte meine Lieblingsreproduktionsassistentin gebeten, das Ergebnis am Nachmittag meinem Lieblingsmenschen mitzuteilen, denn ich wollte es erst abends zu Hause erfahren. Vermutlich wusste ich einfach schon tief in mir drin, dass es trotz der Granocyte, des Cortisons, des Scratchings und der Gebärmutterspülung dieses Mal nicht geklappt hat und wollte dieses nicht irgendwo unterwegs erfahren.

Nach der Arbeit bin ich zu meiner Freundin und ihrer Maus gefahren und wir haben einen wundervollen Tag verbracht! Je später ich nach Hause fahren würde, desto länger wäre ich zumindest noch ein bisschen schwanger. Im Nachhinein betrachtet war das vermutlich auch irgendwie sehr egoistisch, denn mein Schatz kannte ja nun schon das Ergebnis und durfte es mir nicht mitteilen (darum hatte ich ihn gebeten). Er konnte es mit niemandem teilen und ich habe ihn alleine gelassen 😕

Nach dem Abendbrot (ich glaube, wir hatten uns eine Pizza geholt) bin ich nach Hause gefahren und die Autofahrt kam mir ewig vor! Vielleicht war ich an dem Tag auch eine dieser Verkehrsbrenmsen, denn eilig hatte ich es nicht, das weiß ich noch!

Zu Hause angekommen, haben wir uns erstmal begrüßt, als wäre ein ganz normaler Tag: Kussi, ab in die Küche, Wasserkocher an, Tee gekocht und kurz gesprochen („Wie war es im Büro?“ „Ich habe frische Milch und Schokopudding besorgt!“ „Morgen müssen wir unbedingt an xyz denken!“). Ich wollte nicht fragen und mein Schatz wollte es nicht aussprechen. Ich hatte versucht, in seinen Augen wortlos zu lesen und doch war da nichts, was ich hätte deuten können. Kein positives Funkeln und aber auch keine versteckte Träne. Irgendwann nahm ich all meinen Mut zusammen und sagte: „Es hat nicht geklappt, richtig?“ und er sagte: „Ja…“ Mehr haben wir an dem Abend gar nicht darüber geredet, denn ich denke, wir waren einfach müde, was dieses Thema anging.

Ich kann es nicht richtig beschreiben, aber es war ok. Ich hatte es mir anders gewünscht, aber ich denke, wir waren einfach froh, nun Gewissheit zu haben und wieder einen Plan zu haben! Diese Strecke der Fahrt hatten wir geößtenteils unveesehrt hinter uns gebracht und es ging nicht weiter. Nicht hier, nicht mit meinen Eierchen…

Ich machte es mir keine 10 Minuten später mit einem Tee in der Hand und meinem Lappi auf dem Schoß auf der Couch gemütlich und suchte mir die Emailadressen von vier ( oder waren es sechs?) Kliniken in Tschechien raus, von denen die Mädels in unserer FB-Gruppe so positiv berichtet hatten und fing an zu tippen!

Ich hatte einen ganzen Fragenkatalog zusammengestellt und ihn noch an dem Abend an alle rausgeschickt. Ich hatte (mal wieder) Blut geleckt und freute mich auf das was kommen würde. So emotionslos (in Bezug auf das Ergebnis der ICSI und das Ende von Plan A) wie der Abend war, so aufregend fand ich das, was nun folgen würde.

Schon am nächsten Tag kamen die ersten Antworten und die Reise sollte weitergehen. In einem neuen Zug, in einem anderen Land mit anderen Voraussetzungen 😊 Ihr glaubt gar nicht, wie oft ich die Nacht meine Mails gecheckt habe (doooooof, ich weiß!), um zu schauen, ob nicht doch schon jemand geantwortet hatte.

Heute liege ich wieder wach in unserem Bett, dieses Mal jedoch mit dem Punkt auf mir, sein Gesicht tief in meinen Hals vergraben und schnaufend (sooo süß) und dem Pünktchen neben mir, zwischen meinem Schatz und mir und wir sind angekommen! Die beiden sind heute auf den Tag genau 6 Wochen alt und stellen schon jetzt unsere Welt auf den Kopf. Sie wecken Gefühle, die so schön sind, dass es weh tut! Und natürlich rauben sie uns auch manchmal den letzten Nerv und saugen all unsere Kraft aus uns. Aber das alles ist es tausend-und-elf-drillion-mal wert!

Eure glücklich und vor allem vor Stolz und Liebe platzende
Pippilottta

PS: Fremde Gene? Ganz ehrlich? Ich denke da mittlerweile nicht mal mehr dran! Diese beiden kleinen süßen Terrorzwerge sind unsere! Ohne mich würde es sie nicht geben, ohne meinen Körper, mein Blut, meine Schmerzen, Ängste, Sorgen, Zuversicht und meine Liebe! Was sind da schon ein 46 kleine Chromosomen?

4 Kommentare

  1. anabanana sagt

    … so viel kann sich innerhalb eines Jahres verändern 🙂 das gibt mir Hoffnung. Danke! Alles allerliebste für euch! ❤️u!😘

  2. Nuri Hernandez sagt

    Ach Pippi, du schreibst so schön, dass ich gerade mal ein kleines Tränchen verdrücken musste. Ihr habt es sowas von verdient!

Ich freue mich über Kommentare, Gedanken und Anregungen :)