Plan A - Ohne ICSI geht es nicht
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Letzte Chance, das Boot heile an’s Ufer zu bekommen…

Ich sitze in einem Boot. Genau genommen in einem Ruderboot. Es ist schon etwas in die Jahre gekommen. Es sieht nicht unbedingt sehr vertrauenserweckend aus, aber es ist sicher und funktionsfähig. Ich schaue hinter mich und sehe dort zwei weitere Leute. Einer rechts und einer links, jeder hat ein Ruder in der Hand und paddelt ein bisschen vor sich hin. Der Fluss hat seine eigene Strömung und daher ist es fast egal, dass sie völlig unsynchron paddeln. Wir treiben auf dem Fluss. In weiter Ferne hört man es rumoren und mir wird klar, dass weit hinten ein Wasserfall ist. Ein Wasserfall, der so gewaltig ist, dass das Boot in 1000 Teile zerspringen wird, wenn wir nicht vorher schaffen, das Boot an’s Ufer zu bringen. Vor dem Wasserfall sind Stromschnellen. Wenn wir diese erreicht haben, nimmt das Schicksal seinen Lauf und wir können nur abwarten, was geschieht. Vielleicht werden wir dennoch an’s Ufer geschleudert, aber vorher ist die Chance einfach größer, dass auch das Boot heile bleibt. Wir könnten es tatsächlich schaffen, vor den Stromschnellen an’s Ufer zu gelangen. Die Chance stehen eigentlich ganz gut! Mein Schatz wird da auf mich warten, um mich in die Arme zu schließen. Es sind noch ein paar hundert Meter und wenn die beiden hinter mir gemeinsam und synchron rudern würden, überstehen wir alle diese Fahrt ohne größere Probleme. Evtl. bricht unser Boot dann trotzdem auseinander, aber dann ist es so. Dann haben wir es versucht und alles Mögliche getan, um das Boot heile und mit Erfolg an’s Ufer zu bekommen. Ich habe einen Fallschirm auf dem Rücken und sollten wir es nicht vor dem Wasserfall schaffen, öffne ich ihn einfach und fliege sicher zum nächsten Ufer. Und auch hier wird mein Schatz auf mich warten. Den beiden hinter mir passiert auch nichts. Sie bekommen ihr Geld so oder so. Sie werden ja für ihre Ruderzeit bezahlt und nicht für den Ausgang dieses Abenteuers. Ich möchte alles dafür tun, um das Boot heile und in einem Stück vor den Stromschnellen an’s Ufer zu bekommen. Gar nicht so einfach, denn die beiden hinter mir kommunizieren nicht miteinander, sondern nur mit mir und verharren auf dem Standpunkt, der andere müsse zuerst etwas sagen. Ich bin wütend und hilflos. Sie müssen sich nur kurz absprechen und schon wäre alles geklärt! Warum sie es nicht tun? Ich weiß es nicht. Ich denke, jeder paddelt lieber fleißig in seinem eigenen Rhytmus. Es ist ja auch einfacher und ihr Geld bekommen sie ja sowieso. Sie haben auch kleine Fallschirme und das Boot gehört Ihnen nicht mal. Das stimmt, denn es ist unser Boot. Das von meinem Schatz und mir. Es ist nicht versichert und es wird die letzte Reise dieses Bootes sein. Geht es kaputt, dann machen wir uns gemeinsam auf den Weg zu dem neuen Ufer. Hand in Hand. Oder ich mit dem Fallschirm und er wartet da. So oder so, es geht weiter. Aber es besteht eine klitzekleine Chance, dass wir das Boot retten können. Und vor den Stromschnellen ist diese Chance eindeutig größer als mittendrin. Das klappt aber nur, wenn ich einen Weg finde, die beiden hinter mir dazu zu bringen, einmal ganz kurz zu kommunizieren. Ich breche in Tränen aus und habe nur noch gefühlte Sekunden, bevor wir mitten in die Stromschnellen geraten. Das Boot trägt den Namen „Letzte Chance“.

9 Kommentare

  1. Ach du kleine Pippi – das zu lesen in meinem momentanen Zustand ist heftig! Glaub mir, euer Boot ist toll und stabiler als du denkst! Und so ein Wasserfall der hört sich oft aus der Ferne viel dramatischer an als er am Ende wirklich ist. Beachte die Blödmänner hinter dir einfach nicht und vielleicht wollen die ja auch heile ankommen…?! Fakt ist, es ist DEIN Boot und es hält dich trocken und sicher! Und es wird auch das Ufer erreichen!!! Das haben schon ganz andere Boote geschafft!!! Glaub dran und guck mal rechts und links, vielleicht ist es ja auch schön da wo du gerade langsaust 🙂 Am Ende zählt nur das Ziel, aber der Weg dahin gehört auch dazu. Ich denk an dich und drücke alle Daumen und glaube mit dir fest daran, dass die ‚letzte Chance‘ heil am schönsten Ufer der Welt ankommt!!! Siina <3

  2. Ach das hast du schön geschrieben. Es bewegt mich sehr, Tränen steigen mir in die Augen.

    Die beiden Idioten hinter dir bekommen von mir jeweils eine hinter die Ohren und die Aufforderung sich gefälligst zusammenzureißen und ihr absolut Bestes zu geben.

    Du hast ein tolles Boot – ich wünsche mir von ganzem Herzen dass es Heil am Ufer ankommt!

    <3

  3. Ach Pippi….auch ich wünsche dir von Herzen, dass dein Boot heil am Ufer ankommt…du schaffst das – ihr schafft das!
    Fühl dich gedrückt!

  4. „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“

    Aus diesem Grund habe ich dir ein weißes Segeltuch in euer Boot geschmuggelt.
    Schaue genau hin, dann findest du es.
    Und wenn euch vom Paddeln die Arme schlapp werden, wenn der Wind gerade pfeift und ihr gegen Wellen ankämpft, dann scheue dich nicht das Segel zu spannen. Nutze die Zeit, um eure Kräfte wieder zu sammeln. Und dann paddelt ihr weiter. Sicher ans rettende Ufer. Denn so wird es geschehen. Gemeinsam.
    Lass die Flügel nicht hängen!
    So, liebe Pipsi, und jetzt an an die Paddel. Oder ans Tuch!
    :-*

  5. Ach liebe Pippi!
    Ich hoffe sehr, dass ihr das boot heile ans Ufer bekommt! Und falls es leider doch nicht klappt, hast du trotzdem deinen Schatz, der Hand in Hand auf zu neuen Ufern mit dir geht. Ich finde es schön, dass ihr zwei so zusammen haltet.
    Und nun les nicht weiter, sondern Paddel 😉
    Oder wie Penny so schön geschrieben hat: spann das Segel aus!

    Liebe Grüße!!

    • Pennylein 🙂 Ja, mir geht es gut im Moment! Sehr gut sogar! Ich habe einmal richtig kräftig geschimpft mit den beiden in meinem Boot und siehe da, kurz vor den Stromschnellen konnten wir das Boot doch Richtung Ufer steuern. Dein Segel hat super geholfen und flattert nun im Wind! Nun hoffe ich, dass das Boot auch heile am Ufer ankommt und ebenso aus dem Wasser gezogen werden kann. Vielleicht geht es von dort mit nassen Füßen doch noch nach Spanien, aber vielleicht auch nicht 🙂 Ich lasse es mir gut gehen und möchte sooo viel bloggen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Jeden Tag denke ich: „Oh, merk dir das, darüber möchte ich schreiben!“ und gleichzeitig möchte ich am liebsten den Compi mal ein paar Tage zugeklappt lassen. Bald bin ich aber auf jeden Fall wieder richtig da!

Ich freue mich über Kommentare, Gedanken und Anregungen :)